Kooperation

ADDITIVE ADDICTED begleitet diesen Sommer das Hochschul-Projekt TON STEINE ERDEN, dass im Rahmen des greenlabs an der Kunsthochschule Berlin Weißensee stattfindet. Das greenlab beschäftigt sich aktuell mit den vielfältigen Verflechtungen zwischen Berlin und Brandenburg, dabei steht der südöstlich von Berlin gelegene Landkreis Oder-Spree im Fokus. Die natürlichen Ressourcen dieser Gegend waren über lange Zeit hinweg Sand, Holz, Braunkohle und Tonerden – in etlichen Ziegeleien rund um Berlin entstanden daraus die Baustoffe für die aufstrebende Hauptstadt. In Hinblick auf eine nachhaltige Baukultur wendet sich das Projekt erneut diesen materiellen und kulturellen Ressourcen zu und entwickelt nachhaltige und zeitgemäße Positionen, die sich auf raumbildende Strukturen für die Architektur beziehen: Modulare keramische Flächen, Fliesen, Ziegel und Bausteine aller Art werden in ihrer Gestaltung und Herstellung untersucht und neu gedacht.

„Das Projekt wird einführen in die Arbeit mit keramischen Materialien und Techniken, von handwerklich bis industriell, und sich intensiv auseinandersetzen mit den Potentialen digitaler Werkzeuge für den Entwurf und die Produktion von Baukeramik. Wichtiger Baustein des Projekts wird der keramische 3D-Druck sein und die neuen Formmöglichkeiten wie Hinterschnitte und Windungen, sowie die durch werkzeugfreie Produktion gegebene Stückzahl eins, die er ermöglicht.“
Prof. Barbara Schmidt

ADDITIVE ADDICTED übernimmt in diesem Rahmen die Vermittlung und die technologische Betreuung des keramischen 3D-Druckes. In einem Intensiv-Workshop im Mai wurden die Projektteilnehmer*innen praktisch in die Technologie eingeführt. Zu Beginn wurde die grundlegende Funktionsweise des Druckprozesses, die Anforderungen an das pastöse Material, die verschiedenen Strategien der Datengenerierung erörtert und an unzähligen Beispielen die Möglichkeiten aber auch Grenzen des Verfahrens vermittelt. Anschließend haben die Teilnehmer*innen eine fundierte Einführung in das Slicing-Programm Repetier Host bekommen. Es ist nicht nur die virtuelle Arbeitsfläche des Druckers sondern vereint auch verschiedene Slicing-Tools, die die Basis für Gcode-Erzeugung und Druckersteuerung sind. Im zweiten Teil des Workshops konnten die Studenten ihre ersten Entwürfe drucken und haben dabei gelernt, wie die Daten auf das Material und die Technologie hin angepasst werden müssen und welche gestalterischen Möglichkeiten im Slicing selbst liegen. Für den Workshop haben ADDITIV ADDICTED einen nicht-industriellen Ton aufgearbeitet und genutzt, er stammt aus einem Forst in der Nähe des brandenburgischen Dorfes Sauen.
In den nächsten Wochen begleiten und unterstützen wir das Projekt weiter mit unserer technologischen Expertise beim 3D-Drucken, bei der Aufbereitung der keramischen Werkstoffe, dem Post-Processing der Daten und mit der Erfahrung wie die Entwürfe für den keramischen 3D-Druck optimiert werden können.

Autoren: Babette Wiezorek & Dawei Yang

Mehr Informationen: http://additiveaddicted.de/

Letzte Woche bin ich im Paradies der Vliese gelandet, sprich die Techtextil Messe in Frankfurt am Main. Hier treffen sich die größten Nonwoven-Textilhersteller aus Europa, um ihre Produkte zur präsentieren, Verhandlungen abzuschließen und neue Kontakte zu akquirieren. Eine tolle Gelegenheit um mich mit Herstellern persönlich zu treffen und meine offenen Fragen zu klären.

Auf dem ersten Blick ist die riesige Auswahl von Aussteller wirklich überwältigend! Die Techtextil ist ein gigantischer Betrieb: Alle 2 Jahre findet sie in Frankfurt statt und dazwischen organisieren die Veranstalter ähnliche Messen in Russland, Asien, und Nordamerika. Halle 3.1 war meine erste Anlaufstelle und sie war voll mit Firmen, die sich auf die Produktion und Verarbeitung von Vliesstoffen konzentrieren. Die Halle 3.1. ist nur eine von vielen, aber man hätte tatsächlich mehrere Tage in diesem einen Raum verbringen können, da so viel zu sehen und besprechen war.

Als Leitfaden durch diese Fülle von Firmen diente mir eine, im Voraus recherchierte Liste von potentiellen Ansprechpartnern. Der erste Tag war sehr produktiv. Obwohl ich recht spät vom Flughafen kam, hatte ich am Ende des Tages mehrere Gespräche mit mir vorher unbekannten Firmen geführt und Kontakte gefunden, die für meine spezielle Verarbeitung Testreihen übernehmen können.

Wir hatten noch einen Grund zu feiern: Freunde aus dem Fachgebiet Textil- und Flächendesign der Kunsthochschule Berlin Weißensee haben sich beim Wettbewerb ,,Neue Textile Bauweisen“ beteiligt und ihr Prototyp aus Basaltfasern wurde prämiert. So vielfältig ist diese Show! Und schließlich konnte ich noch das tolle Catering der exklusiven Aussteller-Party genießen, denn meine Freunden haben mich verdeckt auf diese Abendveranstaltung eingeschleust. Der Abend endete mit einem Spaziergang zurück zum Hostel, wo ich in einem Zimmer mit 9 Personen und Hochbetten zur Ruhe kam. So ist das glamouröse Business-Jet-Set-Leben für ein Start-Up!

Am zweiten Tag standen weitere, noch wichtigere Treffen mit potenziellen Hersteller auf meiner Liste. Hier war es sehr hilfreich, dass ich mit vielen Firmen im Voraus bereits Kontakt aufgenommen hatte. So konnte ich direkt meine Ansprechpartner finden und meine Anfrage im persönlichen Gespräch überzeugte viel direkter und schneller. Auf meinen Favorit unter den Ausstellern musste ich allerdings lange warten, anscheinend sind sie sehr gefragt und ich hoffe, dass das ein gutes Zeichen ist!

Am Ende des Tages hatte ich ein sehr positives Gefühl. Viele Firmen prüfen, ob sie ihre Technologien auch für Wolle nutzen oder zumindest einige Testreihen für mich produzieren können. Ich bleibe zuversichtlich, dass es eine Möglichkeit gibt, Wollstoffe mit Nonwoven-Prozessen in der EU / Deutschland herzustellen und Dank diesen Netzwerken wird hoffentlich bald unser Traum wahr eine nachhaltige Produktionskette aufzubauen, um unsere Stoffe im großen Maßstab zu produzieren.

Autorin: Yolanda Leask
Mehr Informationen: http://yolandaleask.com/index.html